Links: Um 90° rotiertes kontrastverstärktes Negativbild der Aufnahme aus 16 km Höhe. Durch
Nachzeichnen des Ent"wässer"ungssystems, hier weiss, wird deutlich, dass die "Kanäle" radial von Punkt A
wegstreben: hier liegt ein topographischer Gipfel, ein Berg, Hügel oder eine domförmige Aufwölbung. Bei B
und C liegen flache Streifen, die sich aber farblich und texturell deutlich vom umgebenden "Meer" abheben.
Das könnten der "Küste" vorgelagerte "Inseln" oder "Sandbänke" sein. Sie sind gestreckt und verlaufen parallel zur "Uferlinie".
Bei D zeichnet sich eine ringförmige Struktur ab, die womöglich doch ein Impaktkrater sein könnte. Die Ränder
oder Wände der Struktur scheinen von Ent"wässerungs"kanälen durchbrochen zu sein, wären also älter als dieses.
Einige der "Kanäle" münden trichterförmig ins "Meer".
Rechts: Kontrastverstärktes Negativbild der Aufnahme aus 8 km Höhe. Deutlich sind die Formationen aus dem
linken Bild wiederzuerkennen, wir blicken nunmehr nicht mehr nahezu senkrecht sondern seitlich nach unten aus
wesentlich geringerer Entfernung auf die Landschaft, etwa aus der Höhe in der ein Verkehrsflugzeug fliegt. Der
erste Eindruck ist, dass die Erhebungen des rauhen Terrains relativ hoch über das flache Terrain oder "Meer" herausragen
könnten, möglicherweise einige hundert Meter oder sogar weit mehr. Aus dieser Perspektive sind die "Flußläufe"
schlechter zu erkennen, die größeren liegen ohnehin hinter der bei A aufragenden Struktur. Stattdessen
treten bei 1 und 2 sehr gerade Lineamente hervor, die als Verwerfung (1) oder auch als Schichtausbiss
am Hang (2) gedeutet werden können. Sie gehören jedenfalls sicher nicht zum Kanalsystem. Weiter im Hintergrund
liegen Strukturen, die wie Schicht- oder tektonische Stufen aussehen. Die offenbar am höchsten gelegenen Partien
der Landschaft scheinen Tafelbergen ähnlich. Die kreisförmige Struktur D ist aus dieser Perspektive nicht mehr
erkennbar (© hsu 2005).
Grobes topographisches Modell zur Aufnahme aus 8 km Höhe. Sind obige Annahmen zur Topographie annähernd
richtig, so sehen wir ein recht hohes, von canyonartigen Talsystemen zerfurchtes Plateau an einer Küste aufragen. Eine
solche Situation impliziert eine weiträumige tektonische Hebung grosser Areale dessen, was wir hier als "Festland"
bezeichnen wollen.
(© hsu 2005).
Inzwischen sind alle Bilder im Rohformat von der ESA veröffentlicht worden. Es fällt vor allem bei den Luftbildern schwer, zu erkennen,
was sie zeigen, auch weil Analogien zu irdischen Satellitenbildern schnell bei der Hand, angesichts der titanischen Verhältnisse aber
mit Vorsicht zu gebrauchen sind. So ist z.B. die Konsistenz dessen, was hier mangels genauerer Kenntnis und mangels jedes Beispiels
einfach als "Meer" bezeichnet wird, unklar. Wenn die "Festlandsmasse", wovon auszugehen ist, hauptsächlich aus Wassereis besteht, wie
schneiden sich Erosionsläufe dort ein? Überwiegend mechanisch, wie auf der Erde? Oder durch Lösungvorgänge? Löst sich Wassereis bei
170°C unter Null und 1,5 Bar in flüssigem Methan? Fällt es im Methan-Meer als chemisches Sediment wieder aus? Sind die auf dem Luftbild
im Hintergrund schemenhaft beobachteten Strukturen tatsächlich Schichtstufen, vielleicht sogar solche von so sedimentiertem Eis? Gibt
es also auf Titan eine Art Kreislauf der "Gesteine"? Wie tief könnte das Methan-Meer sein? Ist es durchsichtig? Oder wenigstens
durchscheinend? Auf einigen der Fotos vermeint man "unterseeische" Strukturen rund um die "Inseln" zu erkennen. Wie konnten sich diese
Inseln bilden? Sind das strömungsbedingte "Sandbänke"? Sie sehen so aus. Aus was aber bestehen sie? Gibt es Ooide aus Eis? Sogar die
Bodenbeschaffenheit am Landeplatz der Sonde ist bisher rätselhaft. So stellt sich vor allem die Frage, woraus der Boden zwischen den
vermuteten Eisblöcken eigentlich bestehen soll. Silikatstaub? Methanschnee? Teer?
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Übersicht über die Saturnmonde
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© Dr. H. Sulzer 2004/2007
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