Bilder von der Oberfläche Titans


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(7) 15. 01. 2005: Die ersten Bilder von der Oberfläche Titans

Oberfläche Titans aus 16 km Höhe
Titan aus 16 km Höhe. Links ein helleres, höher liegendes Terrain mit Ent"wässerungs"kanälen, rechts eine "Küsten"linie und ein dunkles, flaches, tiefliegenderes Terrain, das vielleicht einen "See" aus Kohlenwasserstoffen darstellt. Die Bildbreite beträgt etwa 20 km (Bild aus: NASA/JPL, 2005).

Panorama der Oberfläche Titans aus 8 km Höhe
Titan aus 8 km Höhe im 360-Grad-Panorama (hier ein grosser Ausschnitt von etwa 300 Grad gezeigt). Was das Bild genau zeigt, ist vorerst nicht bekannt, der erste Eindruck ist der einer "Fjord"-Landschaft mit höherliegendem hellen Terrain und flachen, tieferliegenden Oberflächen, die die erwarteten "Seen" sein könnten. Das Bild dürfte etwa einem 20 km breiten Ausschnitt entsprechen. (Bild aus: NASA/JPL, 2005).

Ausschnitt aus der Oberfläche Titans aus 8 km Höhe
Titan aus 8 km Höhe (Ausschnitt), im Vordergrund wieder die dunkle, glatte Oberfläche und die "Küstenlinie" mit dahinterliegendem rauhen Terrain. Unklar ist, ob die weissen Flecken, die an "Schneefelder" erinnern, eine Art "Nebel" oder aber feste, freigelegte Eisoberflächen sind. Irgendwelche Impaktstrukturen sind zunächst weder hier noch auf den anderen Fotos evident, was sofort ein geringes Alter der Oberflächen und damit eine aktive rezente Geologie nahelegt (Bild aus: NASA/JPL, 2005).

Auf der Oberfläche Titans Größenverhältnisse Auf der Oberfläche Titans
Auf der Oberfläche von Titan. An der Landestelle fotografierte Huygens die unmittelbare Umgebung. Im Vordergrund helle Brocken, die vermutlich nicht Gestein sondern Eis darstellen. Die vordersten messen etwa 15 cm. Weiter im Hintergrund eine blockübersäte Ebene, die unscharf in den Horizont übergeht: es ist dunstig in Titans dichter Atmosphäre! Der Himmel ist in ein neblig-düsteres Gelborange getaucht. Dies ist das erste veröffentlichte Farbbild und entspricht in etwa dem, was ein auf Titan stehender Astronaut sehen würde. Der große helle Brocken ist etwa 1 m entfernt, der vordere Rand des Blockfeldes im Hintergrund etwa 2.5 m, der Horizont knapp 100 m.

Es fällt auf, dass die "Eis"blöcke im Vordergrund deutlich gerundet aussehen. Ob das möglicherweise Gerölle sind, ist unklar, vielleicht kann es auf Titan auch andere als mechanische Vorgänge geben, die solche Formen herbeiführen, etwa Sublimation von Eis oder Clathraten. Die Verteilung der Blöcke über die ganze Ebene legt jedenfalls nahe, dass sie, durch welchen Mechanismus auch immer, hierher transportiert wurden. Vielleicht ist die ganze Landschaft als Überflutungsgebiet zu verstehen. Des weiteren ist genau in der Bildmitte auf einer blockfreien Fläche eine etwas dunklere Textur zu erkennen, die wie ein "Rinnsal" oder eine steile, kleine Kante aussieht. Wahrscheinlich liegt hier in mesoskopischer Form das vor, was makroskopisch im Luftbild als System von "Flüssen" erscheint.

Der Untergrund, auf dem die Sonde steht, scheint weich zu sein, die ESA-Wissenschaftler sprechen von der Konsistenz von "nassem Sand", denn die Sonde muss relativ weich gelandet sein, um fast eineinhalb Stunden länger zu überleben als geplant. Vielleicht ist der Boden tatsächlich mit flüssigen Organika, wie Methan, Ethan und/oder höheren Kohlenwasserstoffen getränkt, wobei weiter nicht klar ist, woraus das Substrat nun wirklich besteht. Insgesamt ist die Oberfläche an der Landestelle dunkler als erwartet, was bedeuten kann, dass sehr viel organische Stoffe vorhanden sind. Ob oder wie weit Silikate (Gesteinsstaub) am Aufbau der oberen Bodenschichten beteiligt sind, muss sich bei der näheren Untersuchung der Daten erweisen. (Bild aus: NASA/JPL, 2005).

Die ersten Bilder von der Oberfläche Titans sind spektakulär genug. Eine Interpretation ist wegen der äußerst exotischen Umwelt Titans vorerst kaum möglich, darum werden wir an dieser Stelle sehr vorsichtig sein und weiteres abwarten. Einige vorläufige Hinweise sind den Bildunterschriften zu entnehmen. Die gezeigten Fotos sind so genannte "raw-images", die noch ohne Bearbeitung und Korrekturen sind. Eine wesentlich verbesserte Qualität und damit Interpretierbarkeit darf demnächst von prozessierten Bildern erwartet werden.

Neben den Fotos sind zum ersten Mal in der Geschichte auch Geräusche eines fremden Himmelskörpers verfügbar, die Huygens mit dem mitgeführten Mikrofon aufgenommen hat. Vorerst ist nur der Abstieg der Sonde in die Atmosphäre zu hören, zu erwarten sind aber auch Audio-Dateien von Windgeräuschen an der Landestelle. Die genaue Auswertung der Geräusche wird den Wissenschaftlern Hinweise auf physikalische Eigenschaften der Gashülle des Mondes geben, etwa darüber, ob Gewitter vorkommen, deren Donner aufgenommen worden sein könnte.

Obwohl einer der Übertragungskanäle von Huygens zu Cassini ausgefallen war, konnten durch ein weltweites Netz erdgestützter Radioteleskope alle gesendeten Daten der Sonde empfangen werden. Sie werden ausreichen, um einen ganzen neuen Wissenszweig zu begründen, eine "Titanologie", denn die geologischen und meteorologischen Verhältnisse auf diesem Mond sind hochgradig anders, als die auf allen anderen Himmelskörpern des Sonnensystems und gleichzeitig aber in ihrer sich abzeichnenden Komplexität nur noch mit denen auf der Erde zu vergleichen. Die Huygens-Mission kann jetzt bereits als größter und historischer Erfolg der ESA bezeichnet werden. Die Untersuchungsergebnisse werden im übrigen eine derartige Flut neuer Fragen aufkommen lassen, dass weitere Missionen zum Titan in der Zukunft unausweichlich sein werden!

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© Dr. H. Sulzer 2004/2007


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