Titan aus 16 km Höhe. Links ein helleres, höher liegendes Terrain mit Ent"wässerungs"kanälen,
rechts eine "Küsten"linie und ein dunkles, flaches, tiefliegenderes Terrain, das vielleicht einen "See" aus
Kohlenwasserstoffen darstellt. Die Bildbreite beträgt etwa 20 km (Bild aus: NASA/JPL, 2005).
Titan aus 8 km Höhe im 360-Grad-Panorama (hier ein grosser Ausschnitt von etwa 300 Grad gezeigt).
Was das Bild genau zeigt, ist vorerst nicht bekannt, der erste Eindruck ist der einer "Fjord"-Landschaft mit
höherliegendem hellen Terrain und flachen, tieferliegenden Oberflächen, die die erwarteten "Seen" sein könnten.
Das Bild dürfte etwa einem 20 km breiten Ausschnitt entsprechen.
(Bild aus: NASA/JPL, 2005).
Titan aus 8 km Höhe (Ausschnitt), im Vordergrund wieder die dunkle, glatte Oberfläche und die
"Küstenlinie" mit dahinterliegendem rauhen Terrain. Unklar ist, ob die weissen Flecken, die an "Schneefelder"
erinnern, eine Art "Nebel" oder aber feste, freigelegte Eisoberflächen sind. Irgendwelche Impaktstrukturen
sind zunächst weder hier noch auf den anderen Fotos evident, was sofort ein geringes Alter der Oberflächen und
damit eine aktive rezente Geologie nahelegt (Bild aus: NASA/JPL, 2005).
Auf der Oberfläche von Titan. An der Landestelle fotografierte Huygens die unmittelbare Umgebung. Im Vordergrund helle Brocken,
die vermutlich nicht Gestein sondern Eis darstellen. Die vordersten messen etwa 15 cm. Weiter im Hintergrund
eine blockübersäte Ebene, die unscharf in den Horizont übergeht: es ist dunstig in Titans dichter Atmosphäre! Der
Himmel ist in ein neblig-düsteres Gelborange getaucht. Dies ist das erste veröffentlichte Farbbild und
entspricht in etwa dem, was ein auf Titan stehender Astronaut sehen würde. Der große helle Brocken ist etwa 1 m entfernt,
der vordere Rand des Blockfeldes im Hintergrund etwa 2.5 m, der Horizont knapp 100 m.
Es fällt auf, dass die "Eis"blöcke im Vordergrund
deutlich gerundet aussehen. Ob das möglicherweise Gerölle sind, ist unklar, vielleicht kann es auf Titan auch andere
als mechanische Vorgänge geben, die solche Formen herbeiführen, etwa Sublimation von Eis oder Clathraten.
Die Verteilung der Blöcke über die ganze Ebene legt jedenfalls nahe, dass sie, durch welchen Mechanismus auch immer, hierher transportiert wurden.
Vielleicht ist die ganze Landschaft als Überflutungsgebiet zu verstehen.
Des weiteren ist genau in der Bildmitte auf einer blockfreien Fläche eine etwas dunklere Textur zu erkennen, die wie ein "Rinnsal"
oder eine steile, kleine Kante aussieht. Wahrscheinlich liegt hier in mesoskopischer Form das vor, was makroskopisch im Luftbild als
System von "Flüssen" erscheint.
Der Untergrund, auf dem die Sonde steht, scheint weich zu sein, die ESA-Wissenschaftler sprechen von der Konsistenz von "nassem Sand", denn
die Sonde muss relativ weich gelandet sein, um fast eineinhalb Stunden länger zu überleben als geplant. Vielleicht ist der
Boden tatsächlich mit flüssigen Organika, wie Methan, Ethan und/oder höheren Kohlenwasserstoffen getränkt, wobei weiter nicht klar ist,
woraus das Substrat nun wirklich besteht. Insgesamt ist die Oberfläche an der Landestelle dunkler als erwartet, was bedeuten kann, dass
sehr viel organische Stoffe vorhanden sind. Ob oder wie weit Silikate (Gesteinsstaub) am Aufbau der oberen Bodenschichten beteiligt sind, muss sich bei
der näheren Untersuchung der Daten erweisen.
(Bild aus: NASA/JPL, 2005).
Die ersten Bilder von der Oberfläche Titans sind spektakulär genug. Eine Interpretation ist wegen der äußerst exotischen
Umwelt Titans vorerst kaum möglich, darum werden wir an dieser Stelle sehr vorsichtig sein und weiteres abwarten.
Einige vorläufige Hinweise sind den Bildunterschriften zu entnehmen. Die gezeigten Fotos sind so genannte "raw-images",
die noch ohne Bearbeitung und Korrekturen sind. Eine wesentlich verbesserte Qualität und damit Interpretierbarkeit darf
demnächst von prozessierten Bildern erwartet werden.
Neben den Fotos sind zum ersten Mal in der Geschichte auch Geräusche
eines fremden Himmelskörpers verfügbar, die Huygens mit dem mitgeführten Mikrofon aufgenommen hat.
Vorerst ist nur der Abstieg der Sonde in die Atmosphäre zu hören, zu erwarten sind aber auch Audio-Dateien von Windgeräuschen
an der Landestelle. Die genaue Auswertung der Geräusche wird den Wissenschaftlern Hinweise auf physikalische Eigenschaften der
Gashülle des Mondes geben, etwa darüber, ob Gewitter vorkommen, deren Donner aufgenommen worden sein könnte.
Obwohl einer der Übertragungskanäle von Huygens zu Cassini ausgefallen war, konnten durch ein weltweites Netz erdgestützter
Radioteleskope alle gesendeten Daten der Sonde empfangen werden. Sie werden ausreichen, um einen ganzen neuen Wissenszweig zu
begründen, eine "Titanologie", denn die geologischen und meteorologischen Verhältnisse auf diesem Mond sind hochgradig anders,
als die auf allen anderen Himmelskörpern des Sonnensystems und gleichzeitig aber in ihrer sich abzeichnenden Komplexität
nur noch mit denen auf der Erde zu vergleichen. Die Huygens-Mission kann jetzt bereits als größter und historischer Erfolg der
ESA bezeichnet werden. Die Untersuchungsergebnisse werden im übrigen eine derartige Flut neuer Fragen aufkommen lassen, dass
weitere Missionen zum Titan in der Zukunft unausweichlich sein werden!
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Übersicht über die Saturnmonde
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© Dr. H. Sulzer 2004/2007
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