Saturnmond Titan (Quelle: NASA/JPL, Cassini, 2004, Mosaik aus 4 Aufnahmen: links s/w, rechts Falschfarben(!))
Oben zeigen wir die neuesten spektakulären Aufnahme des Mondes von Cassini im Radarspektrum vom 26. 10. 2004. Besonders auffällig sind das Fehlen grosser Einschlagsbecken und der sehr deutliche Kontrast zwischen dem kontinentgrossen hellen, stark strukturierten "Hochland" (inzwischen Xanadu benannt) in der Mitte und dem dunklen, scheinbar glatten "Flachland" links oben auf dem Bild. Bisher sind sich auch die NASA-Wissenschaftler nicht im Klaren darüber, was die abgebildeten Strukturen darstellen könnten. Sie gleichen weiterhin nichts, was bisher von anderen Himmelskörpern bekannt ist. Das Fehlen grosser Krater deutet immer sicherer darauf hin, dass mit einer anhaltend bewegten geologischen Geschichte des Titan zu rechnen ist. Etwas rechts unterhalb der Mitte des Bildmosaiks (s. oben, am besten auf dem Schwarz-Weiss-Bild zu sehen), erkennt man einen kleinen dunklen Fleck, der von stark strukturierten, sehr hellen Bereichen umgeben ist. Dies allerdings mag ein jüngerer Einschlagkrater in der Art des Kopernikus auf unserem Mond sein, bei dem der Kraterboden hier dunkel ist, während die Auswurfmassen hell und chaotisch strukturiert erscheinen würden. Vielleicht aber kann es sich aber auch um eine vulkanische Struktur handeln.
Einige der dunklen Gebiete scheinen so glatt zu sein, dass man vermeint, in ihnen die bisher auch immer wieder erwarteten Meere oder Seen aus Methan, Ethan oder anderen flüssig vorkommenden Organika zu sehen. Die spektakuläre Vorstellung von in langsamen hohen Wellen unter rotem, methanwolken-verhangenem Himmel im Stickstoff-Wind an eisige Küsten schlagenden "Benzinseen" ist damit weiterhin durchaus realistisch.
Rechts: Die Umgebung der voraussichtlichen Huygens-Landestelle. Die Fließrichtung des
terrainformenden Mediums, Wind oder Flüssigkeiten, verlief oder verläuft von links oben
nach rechts unten. Detailaufnahmen von Titan (Quelle: NASA/JPL, Cassini, 2004, Ausschnitte je etwa 300 km breit)
Links: Streifenförmige Gebilde auf der Oberfläche mit unterschiedlicher Orientierung (Pfeile) erinnern
an Windverwehungen auf Erde und Mars.
Streifenförmige Gebilde auf den neuesten Radarbildern sind vielleicht für "Verwehungen" vorerst nicht näher bezeichenbarer Materialien, etwa Eis- oder Silikatstaub, zu halten, wie man sie auch auf dem Mars kennt. Solche Verwehungen würden belegen, dass die Oberfläche des Titan nicht nur durch innere Prozesse dynamisch umgewandelt wird, sondern natürlich auch durch "Wind und Wetter" oder gar rezente Fließvorgänge geprägt ist.
Der sehr helle, weisse "Fleck" am Südpol des Mondes ist ein 600 km weites Wolkenfeld, das inzwischen ebenfalls Rätsel aufgibt. Hatte man zunächst erwartet, dass die Wolken aus Methan bestehen sollten, das, analog zum Wettergeschehen auf der Erde, in der Sonneneinstrahlung von der Oberfläche möglicher Methanseen am Boden verdampft und in kälteren Schichten der oberen Atmosphäre zu Wolken kondensiert, musste man jetzt feststellen, dass die Partikel, aus denen die Wolken bestehen, zu gross für Methan sind. Ethan-Wolken sind aus physikalischen Gründen kaum zu erwarten, möglicherweise bestehen die Wolken aus Ethan-umhülltem Methan oder vielleicht sogar aus höherpolymeren organischen Partikeln. Erst weitere Daten und die sehr aufwendige Untersuchung der gewonnenen Spektren wird die stoffliche Zusammensetzung der verschiedenen Oberflächen- und Atmosphärenstrukturen enthüllen.
Der nahe Vorbeiflug am Titan im Abstand von nur 1200 km hat die Bahn der Sonde
plangemäß so weit veraendert, dass die naechste Annäherung bereits am 13. Dezember 2004
stattfinden wird. Die Huygens-Sonde wird damit wahrscheinlich am 25. Dezember
abgesetzt werden können und Anfang 2005 auf der Oberfläche aufsetzen. Huygens hat auch
ein Mikrophon an Bord, um die zu erwarteten atmosphärischen Geräusche aufzunehmen. Dies
wird die erste Gelegenheit in der Geschichte sein, einen fremden Himmelskörper zu "hören".
Am 28. 10. 2004 findet ein weiteres Highlight der Cassini-Mission statt, der Flyby an
Thetys.
zurück nach oben
Übersicht über die Saturnmonde
Weitere Artikel zu Titan:
0
1
© Dr. H. Sulzer 2004/2007
random number is 75